Samstag, 23. April 2011

Böhmische Dörfer ohne Ende

Herzlich willkommen zur nächsten Ration tschechischer und deutscher Fachbegriffe aus dem Europarecht!


právnický slovník
Rechtswörterbuch

mezinárodní závazek
internationale Verpflichtung

tradiční pojetí
traditionelle Auffassung

v praxi
in der Praxis

právní pojem
Rechtsbegriff

národní stát
Nationalstaat

přenesení kompetencí
Kompetenzübertragung

integrační proces EU
der EU-Integrationsprozess

členství v Evropské unii
die EU-Mitgliedschaft

eurozatykač
europäischer Haftbefehl

zásadní judikatura
Grundsatzurteile

výlučná pravomoc
ausschließliche Zuständigkeit

právně závazný akt
rechtlich verbindlicher Akt


Bis zum nächsten Mal und frohe Ostern! Hezké velikonoce!


Autor: Rechtsanwalt Sven Ringhof, www.prilaro.de

Donnerstag, 7. April 2011

Böhmische Dörfer und kein Ende!

Willkommen zur Fortsetzung der tschechisch-deutschen Wörterliste mit Ausdrücken hauptsächlich aus dem Europarecht!


úřední věstník EU
Amtsblatt der EU

interpretovat restriktivně
eng auslegen

podat návrh
einen Antrag stellen

novelizace stávajících smluv
Novellierung bestehender Verträge

v platném znění
in der geltenden Fassung

eurokonformní výklad
europakonforme Auslegung

nepřípustný
unzulässig

nadnárodní organizace
supranationale Organisation

primární právo
Primärrecht

přednostní aplikace
vorrangige Anwendung

být v rozporu s
im Widerspruch stehen zu

představovat stěžejní kritérium
den Beschwerdegrund darstellen

obecný princip
allgemeines Prinzip

formální právní stát
formeller Rechtsstaat

hodnotová neutralita
Neutralität hinsichtlich der Werte

rovný v důstojnosti a právech
gleich an Würde und Rechten

materiální pojetí právního státu
das materielle Rechtsstaatsverständnis

přirozenoprávního původu
naturrechtlichen Ursprungs


Bis zum nächsten Mal!


Autor: Rechtsanwalt Sven Ringhof www.prilaro.de







Freitag, 25. März 2011

Böhmische Dörfer Fortsetzung

Herzlich willkommen zum nächsten Teil der juristischen Völkerverständigung mit unseren tschechischen Nachbarn! Hier ist die Fortsetzung der tschechisch-deutschen Liste mit Ausdrücken aus dem Europarecht.


ústavní stížnost
Verfassungsbeschwerde

ochrana práv občanů
Schutz der Bürgerrechte

Listina
Charta

svrchovaný stát
souveräner Staat

svrchovanost
Souveränität

mezinárodní společenství
die internationale Gemeinschaft

právní řád
Rechtsordnung

vnitrostátní právní řád
die innerstaatliche Rechtsordnung

právní princip
Rechtsgrundsatz

znění
Wortlaut

Přístupova smlouva
Beitrittsvertrag

prosta většina
einfache Mehrheit

přednost před zákonem
Vorrang vor dem Gesetz

jednostranně zrušit
einseitig aufheben


So viel für heute. Bis zum nächsten Mal!


Autor: Rechtsanwalt Sven Ringhof www.prilaro.de






Samstag, 12. März 2011

Böhmische Dörfer? Europäische Dörfer!

Die EU ist ja bekanntlich unter anderem auch eine Rechtsgemeinschaft. Andererseits erfreut sie sich glücklicherweise einer großen Vielfalt an Sprachen. Deshalb wäre es für Juristen vielleicht nützlich, nicht nur in ihrer Muttersprache oder auf Englisch über ihr Fach bzw. ihre Arbeit sprechen zu können. Das gilt natürlich nicht nur innerhalb der EU, sondern auch weltweit.
Heute will ich aber das sprachliche Augenmerk auf einen EU-Nachbarn, nämlich die Tschechische Republik, richten und eine bescheidene tschechisch-deutsche Vokabelliste mit Ausdrücken aus dem Europarecht vorlegen.
Eine Garantie für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Übersetzungen kann ich aber leider nicht geben.

Smlouva o fungování Evropské unie
Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union

pravní jistota
Rechtssicherheit

spolupráce v trestních věcech
Zusammenarbeit in Strafsachen

vykladový monopol
Auslegungsmonopol

blanketní norm
Blankettnorm

sdílená pravomoc
geteilte Zuständigkeit

zásada přednosti unijního práva
der Grundsatz des Vorrangs des Unionsrechts

prohlášení č(íslo) ...
Erklärung N(umme)r ...

vzájemný ohled
gegenseitige Rücksicht

Spolkový ústavní soud
Bundesverfassungsgericht (Deutschland)

v zasadě
grundsätzlich

závěr
Schlußfolgerung

svazek států
Staatenbund

materiálně chápaný právní stát
materieller Rechtsstaat

kvalifikovaná většina
qualifizierte Mehrheit

závazný pro ...
bindend für ...

právní subjektivita
Rechtspersönlichkeit

třetí piliř
dritte Säule

jednomyslný rozhodovaní
einstimmige Entscheidung

základní svoboda
Grundfreiheit

Evropská úmluva o ochraně lidských práv a základních svobod
Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten

So, das soll für heute reichen! Fortsetzung folgt.

Autor: Rechtsanwalt Sven Ringhof www.prilaro.de


Freitag, 11. Februar 2011

Sprichwörter

Sprichwörter geben in wenigen Worten Lebensweisheiten wieder.
Sind Sprichwörter deshalb in allen Sprachen identisch?

Schauen wir uns ein paar Beispiele an!

Wir alle kennen das Sprichwort Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Damit soll die wohl leider zutreffende Beobachtung ausgedrückt werden, dass man sich bisweilen zu früh freut und dann enttäuscht wird.
Das ist eine universale Tatsache, und so verwundert es nicht, dass ein fast identisches Sprichwort in der serbischen Sprache existiert: Једна ласта не чини пролеће/Jedna lasta ne čini proleće. Wörtlich übersetzt bedeutet es Eine einzige Schwalbe macht nicht den Frühling.

Davon sollte man sich aber nicht die Laune verderben lassen, denn es gibt auch in der kalten Jahreszeit Hoffnung auf Spaß, wenn nur folgende Bedingung erfüllt ist: Ist die Katze aus dem Haus, denn dann tanzen die Mäuse. Das ist auch in Ungarn so, dort sagt man Nincs otthon a macska, cincognak az egerek. Der einzige Unterschied ist, dass die ungarischen Mäuse nicht tanzen, sondern lieber quietschen!

Oder vielleicht sollte man sich sowieso mit dem zufrieden geben, was man hat, ansatt sich zu beklagen, dass man etwas nicht hat.
Besser ein Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.
Oder wo auch immer, denn die Serben sagen:
Боље врабац у руци него голуб на грани/Bolje vrabac u ruci nego golub na grani.
Hier sitzt die Taube nicht auf dem Dach, sondern auf einem Ast, ansonsten ist die serbische Version dieser Lebensweisheit wörtlich identisch mit der deutschen.
Nicht nur für ungarische Reiter gilt dagegen: Ha nincs ló, szamár is jo. Wenn kein Pferd da ist, ist auch ein Esel gut.
Na dann!


Autor: Rechtsanwalt Sven Ringhof, www.prilaro.de

Donnerstag, 27. Januar 2011

Wem sein was?!

Bekanntlich ist ja die ungarische Sprache eine der wenigen in Europa gesprochenen Sprachen, die nicht zur indoeuropäischen Sprachfamilie gehört. Schon zu letzterer zählen beispielsweise das Deutsche, das Französische, das Polnische.

Somit finden wir mitten in Europa eine Sprachinsel, die durch ihren von einem indoeuropäischen Standpunkt aus gesehen "exotischen" Charakter fasziniert.

Eines dieser faszinierenden Phänomene ist die Bezeichnung des Besitzverhältnisses.
Im Deutschen wird der Besitz so ausgedrückt:

das Haus des Lehrers

Zunächst erscheint also das Besitztum, und dann der Besitzer, und zwar im Genitiv.

Im Ungarischen dagegen lautet dieselbe Aussage folgendermaßen:

a tanár háza

Dabei heißt a tanár der Lehrer, und ház bedeutet Haus, háza heißt dann sein Haus.
Wort für Wort übersetzt würde der ungarische Ausdruck dann lauten:

der Lehrer sein Haus

Aber Augenblick ´mal, erinnert uns das nicht an etwas?
Im Hochdeutschen muß es das Haus des Lehrers lauten, das ist wahr, aber wie sagt man im bayerischen Dialekt?

dem Lehrer sein Haus (sic!)

Und wenn man dann noch bedenkt, dass die Phrase im Ungarischen auch lauten kann

a tanárnak háza

und dass das Suffix -nak normalerweise das indirekte Objekt, also den Dativ, bezeichnet, dann ist die Übereinstimmung zwischen dem Ungarischen und dem Bayerischen perfekt.

Das ist doch irgendwie mysteriös, nicht wahr?!

Autor: Rechtsanwalt Sven Ringhof, www.prilaro.de

Donnerstag, 13. Januar 2011

Weihnachten in verschiedenen Sprachen

Nach dem Weihnachstfest ist vor dem Weihnachstfest, und deshalb ist es nicht zu früh, uns heute einmal damit zu beschäftigen, wie der Begriff "Weihnachten" in verschiedenen Sprachen wiedergegeben wird.

Es existieren da wohl drei unterschiedliche Herangehensweisen.

a) Das Wort für "Weihnachten" bezieht sich auf die Jahreszeit und ihre astrophysikalische Bedeutung bzw. die damit in Zusammenhang stehenden heidnischen oder naturreligiösen Riten.
Weihnachten fällt ja bekanntlich in etwa mit der Wintersonnwende zusammen, und gerade dieses Naturereignis liegt dem ungarischen Wort für Weihnachten, "karácsony", (auszusprechen in etwa káratschoni), zu Grunde.
"Karacsóny" hat seinen Ursprung nämlich entweder in bestimmten bulgarischen Dialekten, wobei das Ursprungswort eben gerade "Sonnenwende" bedeutet, oder in einem albanischen Wort, das eigentlich Holzklotz bedeutet und auf im Winter zelebrierte heidnische Feuerrituale hindeutet (http://hu.wikipedia.org/wiki/Kar%C3%A1csony#A_sz.C3.B3_etimol.C3.B3gi.C3.A1ja), die wohl der symbolischen Vernichtung des Winters dienten.

b) In anderen Sprachen dagegen finden sich Ausdrücke mit eindeutig christlichem Bezug.
Das russische Wort für Weihnachten lautet "Рождество Христово" (auszusprechen in etwa Roschdistwó Christówa), wörtlich übersetzt ergibt das "Geburt Christi".
Auf serbisch heißt Weihnachten "божiић" (auszusprechen in etwa bóschitsch), worin das Wort "бог" (auszusprechen in etwa bog), enthalten ist, das Gott bedeutet.

c) Das deutsche Wort "Weihnachten" und sein tschechisches Pendant "vánoce" (auszusprechen in etwa wáhnotze), scheinen schließlich, was den Gegensatz von heidnisch bzw. naturreligiös und christlich betrifft, eine neutrale Stellung einzunehmen.
Denn als eine besondere, weihevolle Zeit empfinden sowohl Heiden als auch Christen die Tage und Nächte zwischen Heiligabend und Dreikönig.

Autor: Rechtsanwalt Sven Ringhof, www.prilaro.de