Sprichwörter geben in wenigen Worten Lebensweisheiten wieder.
Sind Sprichwörter deshalb in allen Sprachen identisch?
Schauen wir uns ein paar Beispiele an!
Wir alle kennen das Sprichwort Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Damit soll die wohl leider zutreffende Beobachtung ausgedrückt werden, dass man sich bisweilen zu früh freut und dann enttäuscht wird.
Das ist eine universale Tatsache, und so verwundert es nicht, dass ein fast identisches Sprichwort in der serbischen Sprache existiert: Једна ласта не чини пролеће/Jedna lasta ne čini proleće. Wörtlich übersetzt bedeutet es Eine einzige Schwalbe macht nicht den Frühling.
Davon sollte man sich aber nicht die Laune verderben lassen, denn es gibt auch in der kalten Jahreszeit Hoffnung auf Spaß, wenn nur folgende Bedingung erfüllt ist: Ist die Katze aus dem Haus, denn dann tanzen die Mäuse. Das ist auch in Ungarn so, dort sagt man Nincs otthon a macska, cincognak az egerek. Der einzige Unterschied ist, dass die ungarischen Mäuse nicht tanzen, sondern lieber quietschen!
Oder vielleicht sollte man sich sowieso mit dem zufrieden geben, was man hat, ansatt sich zu beklagen, dass man etwas nicht hat.
Besser ein Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.
Oder wo auch immer, denn die Serben sagen:
Боље врабац у руци него голуб на грани/Bolje vrabac u ruci nego golub na grani.
Hier sitzt die Taube nicht auf dem Dach, sondern auf einem Ast, ansonsten ist die serbische Version dieser Lebensweisheit wörtlich identisch mit der deutschen.
Nicht nur für ungarische Reiter gilt dagegen: Ha nincs ló, szamár is jo. Wenn kein Pferd da ist, ist auch ein Esel gut.
Na dann!
Autor: Rechtsanwalt Sven Ringhof, www.prilaro.de
Freitag, 11. Februar 2011
Donnerstag, 27. Januar 2011
Wem sein was?!
Bekanntlich ist ja die ungarische Sprache eine der wenigen in Europa gesprochenen Sprachen, die nicht zur indoeuropäischen Sprachfamilie gehört. Schon zu letzterer zählen beispielsweise das Deutsche, das Französische, das Polnische.
Somit finden wir mitten in Europa eine Sprachinsel, die durch ihren von einem indoeuropäischen Standpunkt aus gesehen "exotischen" Charakter fasziniert.
Eines dieser faszinierenden Phänomene ist die Bezeichnung des Besitzverhältnisses.
Im Deutschen wird der Besitz so ausgedrückt:
Somit finden wir mitten in Europa eine Sprachinsel, die durch ihren von einem indoeuropäischen Standpunkt aus gesehen "exotischen" Charakter fasziniert.
Eines dieser faszinierenden Phänomene ist die Bezeichnung des Besitzverhältnisses.
Im Deutschen wird der Besitz so ausgedrückt:
das Haus des Lehrers
Zunächst erscheint also das Besitztum, und dann der Besitzer, und zwar im Genitiv.
Im Ungarischen dagegen lautet dieselbe Aussage folgendermaßen:
Im Ungarischen dagegen lautet dieselbe Aussage folgendermaßen:
a tanár háza
Dabei heißt a tanár der Lehrer, und ház bedeutet Haus, háza heißt dann sein Haus.
Wort für Wort übersetzt würde der ungarische Ausdruck dann lauten:
Wort für Wort übersetzt würde der ungarische Ausdruck dann lauten:
der Lehrer sein Haus
Aber Augenblick ´mal, erinnert uns das nicht an etwas?
Im Hochdeutschen muß es das Haus des Lehrers lauten, das ist wahr, aber wie sagt man im bayerischen Dialekt?
Im Hochdeutschen muß es das Haus des Lehrers lauten, das ist wahr, aber wie sagt man im bayerischen Dialekt?
dem Lehrer sein Haus (sic!)
Und wenn man dann noch bedenkt, dass die Phrase im Ungarischen auch lauten kann
a tanárnak háza
und dass das Suffix -nak normalerweise das indirekte Objekt, also den Dativ, bezeichnet, dann ist die Übereinstimmung zwischen dem Ungarischen und dem Bayerischen perfekt.
Das ist doch irgendwie mysteriös, nicht wahr?!
Autor: Rechtsanwalt Sven Ringhof, www.prilaro.de
Das ist doch irgendwie mysteriös, nicht wahr?!
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Donnerstag, 13. Januar 2011
Weihnachten in verschiedenen Sprachen
Nach dem Weihnachstfest ist vor dem Weihnachstfest, und deshalb ist es nicht zu früh, uns heute einmal damit zu beschäftigen, wie der Begriff "Weihnachten" in verschiedenen Sprachen wiedergegeben wird.
Es existieren da wohl drei unterschiedliche Herangehensweisen.
a) Das Wort für "Weihnachten" bezieht sich auf die Jahreszeit und ihre astrophysikalische Bedeutung bzw. die damit in Zusammenhang stehenden heidnischen oder naturreligiösen Riten.
Weihnachten fällt ja bekanntlich in etwa mit der Wintersonnwende zusammen, und gerade dieses Naturereignis liegt dem ungarischen Wort für Weihnachten, "karácsony", (auszusprechen in etwa káratschoni), zu Grunde.
"Karacsóny" hat seinen Ursprung nämlich entweder in bestimmten bulgarischen Dialekten, wobei das Ursprungswort eben gerade "Sonnenwende" bedeutet, oder in einem albanischen Wort, das eigentlich Holzklotz bedeutet und auf im Winter zelebrierte heidnische Feuerrituale hindeutet (http://hu.wikipedia.org/wiki/Kar%C3%A1csony#A_sz.C3.B3_etimol.C3.B3gi.C3.A1ja), die wohl der symbolischen Vernichtung des Winters dienten.
b) In anderen Sprachen dagegen finden sich Ausdrücke mit eindeutig christlichem Bezug.
Das russische Wort für Weihnachten lautet "Рождество Христово" (auszusprechen in etwa Roschdistwó Christówa), wörtlich übersetzt ergibt das "Geburt Christi".
Auf serbisch heißt Weihnachten "божiић" (auszusprechen in etwa bóschitsch), worin das Wort "бог" (auszusprechen in etwa bog), enthalten ist, das Gott bedeutet.
c) Das deutsche Wort "Weihnachten" und sein tschechisches Pendant "vánoce" (auszusprechen in etwa wáhnotze), scheinen schließlich, was den Gegensatz von heidnisch bzw. naturreligiös und christlich betrifft, eine neutrale Stellung einzunehmen.
Denn als eine besondere, weihevolle Zeit empfinden sowohl Heiden als auch Christen die Tage und Nächte zwischen Heiligabend und Dreikönig.
Autor: Rechtsanwalt Sven Ringhof, www.prilaro.de
Es existieren da wohl drei unterschiedliche Herangehensweisen.
a) Das Wort für "Weihnachten" bezieht sich auf die Jahreszeit und ihre astrophysikalische Bedeutung bzw. die damit in Zusammenhang stehenden heidnischen oder naturreligiösen Riten.
Weihnachten fällt ja bekanntlich in etwa mit der Wintersonnwende zusammen, und gerade dieses Naturereignis liegt dem ungarischen Wort für Weihnachten, "karácsony", (auszusprechen in etwa káratschoni), zu Grunde.
"Karacsóny" hat seinen Ursprung nämlich entweder in bestimmten bulgarischen Dialekten, wobei das Ursprungswort eben gerade "Sonnenwende" bedeutet, oder in einem albanischen Wort, das eigentlich Holzklotz bedeutet und auf im Winter zelebrierte heidnische Feuerrituale hindeutet (http://hu.wikipedia.org/wiki/Kar%C3%A1csony#A_sz.C3.B3_etimol.C3.B3gi.C3.A1ja), die wohl der symbolischen Vernichtung des Winters dienten.
b) In anderen Sprachen dagegen finden sich Ausdrücke mit eindeutig christlichem Bezug.
Das russische Wort für Weihnachten lautet "Рождество Христово" (auszusprechen in etwa Roschdistwó Christówa), wörtlich übersetzt ergibt das "Geburt Christi".
Auf serbisch heißt Weihnachten "божiић" (auszusprechen in etwa bóschitsch), worin das Wort "бог" (auszusprechen in etwa bog), enthalten ist, das Gott bedeutet.
c) Das deutsche Wort "Weihnachten" und sein tschechisches Pendant "vánoce" (auszusprechen in etwa wáhnotze), scheinen schließlich, was den Gegensatz von heidnisch bzw. naturreligiös und christlich betrifft, eine neutrale Stellung einzunehmen.
Denn als eine besondere, weihevolle Zeit empfinden sowohl Heiden als auch Christen die Tage und Nächte zwischen Heiligabend und Dreikönig.
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Dienstag, 17. August 2010
Geheimnisse des Aspekts
Wer schon einmal eine slawische Sprache gelernt hat, weiß, dass einem dabei der "Aspekt" des Verbums als zutiefst mysteriöses, eigentlich unverstehbares Arkanum präsentiert wird.
Ähnlich verhält es sich mit dem "Abstraktionsprinzip", mit dem Studierende des deutschen Zivilrechts konfrontiert werden.
Die Lehrenden bauen eine Art prickelnder Erwartungshaltung auf, und das zu Recht!
In diesem Blog will ich mich aber nur mit sprachlichen Phänomenen befassen, deshalb ein paar Anmerkungen zum Aspekt, der mich deshalb so fasziniert, weil diese Verbalkategorie im Deutschen wohl nicht so systematisiert ist wie in den slawischen Sprachen oder auch im Ungarischen. Als Folge der Beschäftigung mit diesen Sprachen gewinnt man dann aber umgekehrt auch bisher ungeahnte Erkenntnisse über das Deutsche. Ich habe vor kurzem irgendwo ein Zitat Goethes gelesen, worin er sinngemäß gesagt hat, dass man seine Muttersprache nicht vollständig erfassen kann, solange man keine Fremdsprachen befaßt. Das kann ich nur bestätigen.
Nun aber zu einem ungarischen Beispiel für ein Aspektpaar, dessen Übersetzung ins Deutsche keinesfalls schematisch erfolgen kann:
éhezik (unvollendet) und megéhezik (vollendet)
Beide bedeuten die Empfindung von Hunger.
Das unvollendete Verb bezeichnet dabei einen Zustand oder fast schon eine Eigenschaft des Subjekts, während das vollendete Verb den punktuellen Eintritt dieses Zustandes ausdrückt.
éhezik wäre also mit hungern, Hunger leiden, Hunger haben o.ä. zu übersetzen, megéhezik wäre dann Hunger bekommen.
Es existiert also kein deutsches Verb, das den Eintritt des Hungergefühls bezeichnen würde, man muß sich daher mit einer Kombination des Substantivs Hunger mit einer Art Phasenverb behelfen. Ich versuche mir vorzustellen, wie ein entsprechendes Verb im Deutschen lauten müßte ... "erhungern" vielleicht.
Jetzt hätte ich noch ein russisches Aspektpaar, das auch eine Empfindung, oder besser gesagt, das Empfinden im allgemeinen ausdrückt, und zwar
чувствовать (unvollendet; ausgesprochen etwa "tschustwawat") und почувствовать (vollendet; ausgesprochen etwa "patschustwawat")
Das unvollendete Verb läßt sich einigermaßen problemlos mit empfinden, fühlen, spüren wiedergeben. Der Aspekt seines vollendeten Partners dagegen entzieht sich der deutschen Sprache ein bißchen. Man könnte vielleicht sagen sich bewußt werden, plötzlich zu fühlen beginnen, aber ich habe, um beim Thema zu bleiben, das "Gefühl", dass diese Formulierungen schon wieder ein bißchen über den russischen Sinn hinausgehen, weshalb auch почувствовать, zum Beispiel in Romanen, meistens einfach nur mit fühlen oder denken übersetzt wird.
Das war´s für heute. Vielen Dank für Ihr Interesse!
Autor: Rechtsanwalt Sven Ringhof www.prilaro.de
Ähnlich verhält es sich mit dem "Abstraktionsprinzip", mit dem Studierende des deutschen Zivilrechts konfrontiert werden.
Die Lehrenden bauen eine Art prickelnder Erwartungshaltung auf, und das zu Recht!
In diesem Blog will ich mich aber nur mit sprachlichen Phänomenen befassen, deshalb ein paar Anmerkungen zum Aspekt, der mich deshalb so fasziniert, weil diese Verbalkategorie im Deutschen wohl nicht so systematisiert ist wie in den slawischen Sprachen oder auch im Ungarischen. Als Folge der Beschäftigung mit diesen Sprachen gewinnt man dann aber umgekehrt auch bisher ungeahnte Erkenntnisse über das Deutsche. Ich habe vor kurzem irgendwo ein Zitat Goethes gelesen, worin er sinngemäß gesagt hat, dass man seine Muttersprache nicht vollständig erfassen kann, solange man keine Fremdsprachen befaßt. Das kann ich nur bestätigen.
Nun aber zu einem ungarischen Beispiel für ein Aspektpaar, dessen Übersetzung ins Deutsche keinesfalls schematisch erfolgen kann:
éhezik (unvollendet) und megéhezik (vollendet)
Beide bedeuten die Empfindung von Hunger.
Das unvollendete Verb bezeichnet dabei einen Zustand oder fast schon eine Eigenschaft des Subjekts, während das vollendete Verb den punktuellen Eintritt dieses Zustandes ausdrückt.
éhezik wäre also mit hungern, Hunger leiden, Hunger haben o.ä. zu übersetzen, megéhezik wäre dann Hunger bekommen.
Es existiert also kein deutsches Verb, das den Eintritt des Hungergefühls bezeichnen würde, man muß sich daher mit einer Kombination des Substantivs Hunger mit einer Art Phasenverb behelfen. Ich versuche mir vorzustellen, wie ein entsprechendes Verb im Deutschen lauten müßte ... "erhungern" vielleicht.
Jetzt hätte ich noch ein russisches Aspektpaar, das auch eine Empfindung, oder besser gesagt, das Empfinden im allgemeinen ausdrückt, und zwar
чувствовать (unvollendet; ausgesprochen etwa "tschustwawat") und почувствовать (vollendet; ausgesprochen etwa "patschustwawat")
Das unvollendete Verb läßt sich einigermaßen problemlos mit empfinden, fühlen, spüren wiedergeben. Der Aspekt seines vollendeten Partners dagegen entzieht sich der deutschen Sprache ein bißchen. Man könnte vielleicht sagen sich bewußt werden, plötzlich zu fühlen beginnen, aber ich habe, um beim Thema zu bleiben, das "Gefühl", dass diese Formulierungen schon wieder ein bißchen über den russischen Sinn hinausgehen, weshalb auch почувствовать, zum Beispiel in Romanen, meistens einfach nur mit fühlen oder denken übersetzt wird.
Das war´s für heute. Vielen Dank für Ihr Interesse!
Autor: Rechtsanwalt Sven Ringhof www.prilaro.de
Montag, 5. April 2010
Der Aspekt im Deutschen und Ungarischen
Der Aspekt ist eine verbale Kategorie, die sehr ausgeprägt in den slawischen Sprachen zu finden ist, aber durchaus auch in anderen Sprachen vorkommt, so auch im Deutschen und Ungarischen.
Betrachten wir den Satz "Reggeli után újságot szoktunk olvasni" (Quelle: Wenzel, Haik, Langenscheidts Praktisches Lehrbuch Ungarisch, Berlin und München 1998, S.179).
Ins Deutsche läßt sich dieser Satz folgendermaßen übersetzen: "Nach dem Frühstück pflegen wir Zeitung zu lesen."
Der imperfektive Aspekt, d.h. der auf den Vorgang, den Verlauf, nicht aber auf das Ergebnis der Handlung, gerichtete Blickwinkel, tritt in beiden Sprachen deutlich hervor.
Sowohl im Deutschen als auch im Ungarischen steht das Wort "Zeitung" bzw. "újság(ot)" ohne Artikel. Weder der bestimmte noch der unbestimmte Artikel sind vorhanden.
Bei dem ungarischen Satz kommt außerdem noch hinzu, dass das Verb "olvasni", das "lesen" bedeutet, kein Verbalpräfix enthält.
Zum Vergleich könnte man jetzt überlegen, wie der perfektive Aspekt, also die (angestrebte) Vollendung der Handlung auszudrücken wäre.
Im Deutschen würde es wohl genügen zu sagen "die Zeitung lesen". Der bestimmte Artikel drückt zumindest nach meinem Sprachgefühl die intendierte Vollendung der Handlung hinreichend aus.
Im Ungarischen müßte meines Wissens aber neben dem bestimmten Artikel außerdem noch das Verbalpräfix "el" hinzugefügt werden, womit sich der Ausdruck "elolvasni az újságot" ergeben würde.
Vielen Dank fürs Lesen!
Für die Richtigkeit meiner Ausführungen kann ich aber leider keinerlei Garantie übernehmen.
Bis zum nächsten Mal!
Autor: Rechtsanwalt Sven Ringhof www.prilaro.de
Betrachten wir den Satz "Reggeli után újságot szoktunk olvasni" (Quelle: Wenzel, Haik, Langenscheidts Praktisches Lehrbuch Ungarisch, Berlin und München 1998, S.179).
Ins Deutsche läßt sich dieser Satz folgendermaßen übersetzen: "Nach dem Frühstück pflegen wir Zeitung zu lesen."
Der imperfektive Aspekt, d.h. der auf den Vorgang, den Verlauf, nicht aber auf das Ergebnis der Handlung, gerichtete Blickwinkel, tritt in beiden Sprachen deutlich hervor.
Sowohl im Deutschen als auch im Ungarischen steht das Wort "Zeitung" bzw. "újság(ot)" ohne Artikel. Weder der bestimmte noch der unbestimmte Artikel sind vorhanden.
Bei dem ungarischen Satz kommt außerdem noch hinzu, dass das Verb "olvasni", das "lesen" bedeutet, kein Verbalpräfix enthält.
Zum Vergleich könnte man jetzt überlegen, wie der perfektive Aspekt, also die (angestrebte) Vollendung der Handlung auszudrücken wäre.
Im Deutschen würde es wohl genügen zu sagen "die Zeitung lesen". Der bestimmte Artikel drückt zumindest nach meinem Sprachgefühl die intendierte Vollendung der Handlung hinreichend aus.
Im Ungarischen müßte meines Wissens aber neben dem bestimmten Artikel außerdem noch das Verbalpräfix "el" hinzugefügt werden, womit sich der Ausdruck "elolvasni az újságot" ergeben würde.
Vielen Dank fürs Lesen!
Für die Richtigkeit meiner Ausführungen kann ich aber leider keinerlei Garantie übernehmen.
Bis zum nächsten Mal!
Autor: Rechtsanwalt Sven Ringhof www.prilaro.de
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Ungarisch,
Verbalpräfix
Freitag, 8. Januar 2010
Allen ein gutes neues Jahr!
"Ich kaufe keine Tiefkühlprodukte, nicht, weil sie mir nicht schmecken, sondern weil ich keine Kühltruhe habe."
Auf den ersten Blick erscheint dieser Satz grammatikalisch und vom Verständnis her völlig unproblematisch, nicht wahr?
Solche Äußerungen hört, liest, sagt und schreibt man täglich, ohne näher darüber nachzudenken.
Gleichwohl enthält er eine sprachliche Falle, und diese lauert im ersten Kausalsatz.
Ein sehr spitzfindiger Gesprächspartner oder Leser könnte den Satz nämlich so auslegen, dass der Autor der Äußerung Tiefkühlprodukte zwar nicht mag, der Grund für die Konsumverweigerung aber nicht darin, sondern vielmehr in der fehlenden Kühltruhe liegt.
Ein solches Verständnis ist auch nicht lebensfremd, denn es wäre denkbar, dass die oder der Betreffende, bestünde eine Aufbewahrungsmöglichkeit, solche Nahrungsmittel trotz des kulinarischen Widerwillens konsumieren würde, etwa, weil sie einfach und zeitsparend zuzubereiten oder preisgünstig sind.
Von der alltäglichen Sprachpraxis her gesehen ist der Satz subjektiv aber wohl meistens dahingehend gemeint, dass dem Sprecher bzw. der Sprecherin eingefrorene Speisen durchaus schmecken und der Hinderungsgrund, sie zu kaufen, nur in der fehlenden Kühltruhe zu sehen ist.
Um das grammatikalisch einwandfrei auszudrücken, müßte man den Satz so formulieren:
"Ich kaufe keine Tiefkühlprodukte, nicht (etwa), weil sie mir nicht schmecken würden, sondern weil ich keine Kühltruhe habe."
Zugegeben, in alltäglichen, eher banalen Situationen wie der beschriebenen spielen solche Feinheiten zumeist keine Rolle.
In einem juristischen oder politischen Kontext, zum Beispiel bei der Formulierung von Verträgen sowie Gesetzen oder in Debatten können derlei sprachliche Unachtsamkeiten allerdings zu unerwünschten, wenn nicht sogar unerträglichen Folgen führen.
Vorsicht ist auf jeden Fall besser als nachträgliches Bedauern!
In diesem Sinne alles Gute wünscht Ihnen
Rechtsanwalt Sven Ringhof www.prilaro.de
"Ich kaufe keine Tiefkühlprodukte, nicht, weil sie mir nicht schmecken, sondern weil ich keine Kühltruhe habe."
Auf den ersten Blick erscheint dieser Satz grammatikalisch und vom Verständnis her völlig unproblematisch, nicht wahr?
Solche Äußerungen hört, liest, sagt und schreibt man täglich, ohne näher darüber nachzudenken.
Gleichwohl enthält er eine sprachliche Falle, und diese lauert im ersten Kausalsatz.
Ein sehr spitzfindiger Gesprächspartner oder Leser könnte den Satz nämlich so auslegen, dass der Autor der Äußerung Tiefkühlprodukte zwar nicht mag, der Grund für die Konsumverweigerung aber nicht darin, sondern vielmehr in der fehlenden Kühltruhe liegt.
Ein solches Verständnis ist auch nicht lebensfremd, denn es wäre denkbar, dass die oder der Betreffende, bestünde eine Aufbewahrungsmöglichkeit, solche Nahrungsmittel trotz des kulinarischen Widerwillens konsumieren würde, etwa, weil sie einfach und zeitsparend zuzubereiten oder preisgünstig sind.
Von der alltäglichen Sprachpraxis her gesehen ist der Satz subjektiv aber wohl meistens dahingehend gemeint, dass dem Sprecher bzw. der Sprecherin eingefrorene Speisen durchaus schmecken und der Hinderungsgrund, sie zu kaufen, nur in der fehlenden Kühltruhe zu sehen ist.
Um das grammatikalisch einwandfrei auszudrücken, müßte man den Satz so formulieren:
"Ich kaufe keine Tiefkühlprodukte, nicht (etwa), weil sie mir nicht schmecken würden, sondern weil ich keine Kühltruhe habe."
Zugegeben, in alltäglichen, eher banalen Situationen wie der beschriebenen spielen solche Feinheiten zumeist keine Rolle.
In einem juristischen oder politischen Kontext, zum Beispiel bei der Formulierung von Verträgen sowie Gesetzen oder in Debatten können derlei sprachliche Unachtsamkeiten allerdings zu unerwünschten, wenn nicht sogar unerträglichen Folgen führen.
Vorsicht ist auf jeden Fall besser als nachträgliches Bedauern!
In diesem Sinne alles Gute wünscht Ihnen
Rechtsanwalt Sven Ringhof www.prilaro.de
Freitag, 18. Dezember 2009
Ich esse Kuchen!
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser, und willkommen zum heutigen Grammatik-Häppchen!
Entscheidende Bedeutungsunterschiede beruhen oftmals auf nur minimalen Differenzen in der Formulierung einer Äußerung.
Insbesondere im Rahmen der juristischen Arbeit kommt es andererseits aber regelmäßig darauf an, was ein Sprecher bzw. Verfasser mit einer Äußerung genau gemeint hat. Einmal müssen Normtexte oder Vertragsklauseln ausgelegt werden, ein anderers Mal soll eine Aussage im Rahmen eines Betrugs- oder Beleidigungsvorwurfes interpretiert werden. An Hand dieser Beispiele kann man sich den engen Zusammenhang zwischen Recht und Grammatik, glaube ich, hinreichend deutlich machen.
Das Weitere ist aber beileibe nicht nur für Juristen interessant. Hoffe ich zumindest.
Wie dem auch so, vergleichen wir einmal den Satz "Ich esse Kuchen" mit der Aussage "Ich esse den Kuchen".
Der erste Satz ist durativ, das heißt, er stellt das Andauern der Handlung in den Vordergrund. Man könnte vielleicht sogar sagen, er beschreibt einen Zustand. Es ist beinahe so, als würde man sagen: "Ich bin ein(e) Kuchen Essende(r)". Das klingt zunächst einmal merkwürdig, erscheint aber plausibel, wenn man vergleichsweise den entsprechenden englischen Satz "I am eating" heranzieht.
Unser zweiter Beispielsatz dagegen ist nicht-durativ, er stellt also nicht auf den Verlauf der Handlung, sondern vielmehr auf das Ergebnis ab, nämlich dass der Kuchen dann verschwunden sein wird. Noch deutlicher wäre dies, würde man folgendermaßen formulieren:
"Ich esse den Kuchen auf".
Auffällig ist, dass dieser Unterschied der Aktionsart bzw. des Aspekts in den behandelten Sätzen alleine von der Objektwahl abhängen kann. Im ersten Satz haben wir ein Objekt ohne Artikel, im zweiten dagegen findet sich der bestimmte Artikel.
Nebenbei bemerkt gibt es diese verbale Kategorie der Aktionsart bzw. des Aspekts wahrscheinlich in allen Sprachen. Doch die Mechanismen, mit der sie ausgedrückt wird, divergieren.
Im Russischen und anderen slawischen Sprachen müßte man das Verb im Regelfall mit Hilfe von Wortbildungselementen modifizieren, so ähnlich wie in dem deutschen Beispiel "essen/aufessen".
Im Ungarischen würde sich zusätzlich zur Anreicherung des Verbes mit einer speziellen perfektiven Vorsilbe, vergleiche grob gesagt wiederum "essen/aufessen" und der Hinzufügung des bestimmten Artikels auch noch das Konjugationsmuster des Verbs ändern.
Im Chinesischen existieren, glaube ich, verschiedene sogenannte Komplemente, die den beschriebenen Zweck erfüllen.
Soviel für heute und gegebenenfalls guten Appetit!
Rechtsanwalt Sven Ringhof www.prilaro.de
Entscheidende Bedeutungsunterschiede beruhen oftmals auf nur minimalen Differenzen in der Formulierung einer Äußerung.
Insbesondere im Rahmen der juristischen Arbeit kommt es andererseits aber regelmäßig darauf an, was ein Sprecher bzw. Verfasser mit einer Äußerung genau gemeint hat. Einmal müssen Normtexte oder Vertragsklauseln ausgelegt werden, ein anderers Mal soll eine Aussage im Rahmen eines Betrugs- oder Beleidigungsvorwurfes interpretiert werden. An Hand dieser Beispiele kann man sich den engen Zusammenhang zwischen Recht und Grammatik, glaube ich, hinreichend deutlich machen.
Das Weitere ist aber beileibe nicht nur für Juristen interessant. Hoffe ich zumindest.
Wie dem auch so, vergleichen wir einmal den Satz "Ich esse Kuchen" mit der Aussage "Ich esse den Kuchen".
Der erste Satz ist durativ, das heißt, er stellt das Andauern der Handlung in den Vordergrund. Man könnte vielleicht sogar sagen, er beschreibt einen Zustand. Es ist beinahe so, als würde man sagen: "Ich bin ein(e) Kuchen Essende(r)". Das klingt zunächst einmal merkwürdig, erscheint aber plausibel, wenn man vergleichsweise den entsprechenden englischen Satz "I am eating" heranzieht.
Unser zweiter Beispielsatz dagegen ist nicht-durativ, er stellt also nicht auf den Verlauf der Handlung, sondern vielmehr auf das Ergebnis ab, nämlich dass der Kuchen dann verschwunden sein wird. Noch deutlicher wäre dies, würde man folgendermaßen formulieren:
"Ich esse den Kuchen auf".
Auffällig ist, dass dieser Unterschied der Aktionsart bzw. des Aspekts in den behandelten Sätzen alleine von der Objektwahl abhängen kann. Im ersten Satz haben wir ein Objekt ohne Artikel, im zweiten dagegen findet sich der bestimmte Artikel.
Nebenbei bemerkt gibt es diese verbale Kategorie der Aktionsart bzw. des Aspekts wahrscheinlich in allen Sprachen. Doch die Mechanismen, mit der sie ausgedrückt wird, divergieren.
Im Russischen und anderen slawischen Sprachen müßte man das Verb im Regelfall mit Hilfe von Wortbildungselementen modifizieren, so ähnlich wie in dem deutschen Beispiel "essen/aufessen".
Im Ungarischen würde sich zusätzlich zur Anreicherung des Verbes mit einer speziellen perfektiven Vorsilbe, vergleiche grob gesagt wiederum "essen/aufessen" und der Hinzufügung des bestimmten Artikels auch noch das Konjugationsmuster des Verbs ändern.
Im Chinesischen existieren, glaube ich, verschiedene sogenannte Komplemente, die den beschriebenen Zweck erfüllen.
Soviel für heute und gegebenenfalls guten Appetit!
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